Nicht jede Ballübung setzt voraus, dass der Ball die Sitzfläche ist. In diesem Artikel ist es umgekehrt: Du sitzt auf einem stabilen Stuhl, mit beiden Füßen fest am Boden, und der Ball ist ausschließlich Trainingsgerät — zwischen den Knien, in den Händen oder unter den Füßen. Das gesamte Auf- und Absteigen, das in Sicher auf den Ball und wieder herunter beschrieben wird, entfällt hier vollständig, weil der Ball nie zur Sitzfläche wird.

Was du brauchst

  • Einen stabilen Stuhl mit vier Beinen, ohne Rollen, auf dem beide Füße flach den Boden erreichen und die Knie etwa auf Hüfthöhe liegen. Ein Stuhl mit Armlehnen bietet zusätzlichen Halt, ist aber nicht zwingend nötig.
  • Einen Ball in handlicher Größe, etwa einen kleineren, weichen Ball wie einen Redondoball: Er lässt sich zwischen den Knien, in den Händen und unter dem Fuß halten. Ein großer Gymnastikball passt allenfalls für die Übung in den Händen — unter dem Fuß oder zwischen den Knien ist er im Sitzen auf dem Stuhl zu groß. Der Unterschied zwischen beiden Gerätetypen steht in Pilatesball und Redondoball; welche Größe des großen Balls zu dir passt, ermittelt der Ballgrößen- und Sitzhöhen-Rechner.
  • Ausreichend Platz um den Stuhl herum, damit ein Ball, der aus der Hand rutscht, nirgends anstößt.
  • Den Fülldruck geprüft, wie in Gymnastikball aufpumpen beschrieben — ein zu prall gefüllter Ball lässt sich zwischen den Knien schlechter zusammendrücken.

So richtest du dich ein

  1. Stuhl an eine feste Position stellen, nicht auf glattem Boden, der beim Abstützen nachgibt. Ein Teppich oder eine feste Unterlage unter den Stuhlbeinen verhindert ein Verrutschen während der Übung.
  2. Hinsetzen und die Grundhaltung prüfen: beide Füße flach auf dem Boden, Knie etwa auf Hüfthöhe, Rücken an der Lehne. Diese Haltung bleibt während aller folgenden Übungen die Ausgangsposition.
  3. Den Ball probeweise in die Hand nehmen und einmal zusammendrücken, um sein Nachgeben einzuschätzen — bei einem großen Ball ist das weniger, bei einem kleinen, weicheren Ball spürbar mehr.
  4. Den Bewegungsraum um den Stuhl herum kurz prüfen, insbesondere wenn der Ball während einer Übung aus der Hand rutschen könnte.

Drei Übungen, jede in drei Stufen

Wie bei den Übungen für Einsteiger gilt auch hier: stabil, frei und größerer Bewegungsumfang sind keine Pflichtstufen, sondern eine Reihenfolge. Wechsle erst weiter, wenn die vorherige Stufe sich sicher anfühlt.

1. Ball zwischen den Knien

Ausgangshaltung wie oben, Ball zwischen den Knien platziert.

  • Stabil: Den Ball mit leichtem, gleichbleibendem Druck zwischen den Knien halten, ohne ihn loszulassen.
  • Frei: Den Druck rhythmisch erhöhen und wieder lösen, ohne dass der Ball dabei zu Boden fällt.
  • Größerer Bewegungsumfang: Den Druck über mehrere Atemzüge halten, danach kurz ganz lösen und den Ball neu zwischen den Knien positionieren.

2. Ball in den Händen vor dem Körper

Ausgangshaltung wie oben, Ball mit beiden Händen vor dem Oberkörper gehalten.

  • Stabil: Den Ball ruhig auf Bauchhöhe halten, Ellbogen leicht angewinkelt.
  • Frei: Den Ball langsam Richtung Knie senken und wieder anheben, ohne den Rücken von der Lehne zu lösen.
  • Größerer Bewegungsumfang: Den Ball seitlich von einer Hand zur anderen weiterreichen, mit ruhigem, kontrolliertem Tempo.

3. Ball unter dem Fuß

Ausgangshaltung wie oben, ein Fuß liegt mit der Sohle auf dem Ball, der andere bleibt flach auf dem Boden.

  • Stabil: Den Ball unter dem Fuß nur leicht belasten, ohne ihn zu bewegen.
  • Frei: Den Ball mit der Fußsohle langsam ein Stück nach vorne und zurück rollen.
  • Größerer Bewegungsumfang: Kleine Kreisbewegungen mit dem Fuß auf dem Ball, dabei der zweite Fuß fest am Boden.

Wie du eine Übung leichter machst

  • Kleinere Bewegungen. Weniger Druck, weniger Rollweg, weniger Wegstrecke zwischen den Händen — jede der drei Übungen lässt sich verkleinern, ohne die Grundbewegung zu verlieren.
  • Einen kleineren, weicheren Ball verwenden. Er lässt sich leichter greifen und zusammendrücken als ein großer, prall gefüllter Ball.
  • Häufiger pausieren. Es gibt keine vorgegebene Anzahl an Wiederholungen; eine Pause mitten in der Übung ist keine Unterbrechung, sondern Teil davon.

Abbruchzeichen

Wer sich mit diesen drei Übungen sicher fühlt und Interesse hat, den Ball auch als Sitzfläche auszuprobieren, findet den dafür notwendigen Ablauf in Sicher auf den Ball und wieder herunter. Wer gezielt am Gleichgewicht mit Haltemöglichkeit arbeiten möchte, findet die passenden Übungen in Gleichgewicht mit dem Ball.

FAQ

Brauche ich einen großen Gymnastikball oder reicht ein kleiner Ball?

Für zwei der drei Übungen braucht es den kleinen: Unter dem Fuß und zwischen den Knien ist ein großer Gymnastikball im Sitzen auf dem Stuhl zu groß. Für die Übung in den Händen funktioniert beides, ein kleinerer, weicherer Ball wie ein Redondoball lässt sich aber leichter greifen. Details zum Unterschied stehen in Pilatesball und Redondoball.

Ist diese Variante sicherer als das Sitzen auf dem Ball?

Sie schließt das Element aus, das beim Sitzen auf dem Ball die größte Umstellung ist: eine nachgebende, bewegliche Sitzfläche. Der Stuhl trägt hier das gesamte Gewicht, und beide Füße bleiben durchgehend am Boden.

Wie viele Wiederholungen sind sinnvoll?

Dazu macht dieser Artikel bewusst keine Vorgabe. Wie oft und wie lange sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab.

Kann ich diese Übungen auch im Rollstuhl machen?

Dieser Artikel geht von einem festen, vierbeinigen Stuhl ohne Rollen aus. Für andere Sitzgelegenheiten braucht es eine eigene Einschätzung, die dieser Text nicht leisten kann.

Was, wenn mir der Ball aus den Händen rutscht?

Solange um den Stuhl herum ausreichend Platz ist, ist das kein Sicherheitsproblem, sondern ein Zeichen, mit kleineren Bewegungen oder einem griffigeren, weniger prall gefüllten Ball weiterzumachen.

Muss ich den Fülldruck des Balls genau einstellen wie beim Sitzen?

Nicht so genau. Da der Ball hier nicht die Sitzhöhe bestimmt, kommt es weniger auf eine exakte Zielhöhe an als darauf, dass sich der Ball für die jeweilige Übung gut greifen oder zusammendrücken lässt.

Quellen

  1. DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“, Ausgabe Juli 2019, Tabelle 11 (Sitzhöhen-Verstellbereich als Orientierung für die Stuhlhöhe) — Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), abgerufen am 24. August 2026
  2. Redondo® Ball – Produktbeschreibung, Material, individuell regulierbare Befüllung — TOGU GmbH, abgerufen am 24. August 2026